... von einem befreundeten Mediziner aus einem anderen Forum über Geschlechtskrankheiten:
HIV, der Erreger der noch immer tödlichen Immunschwächekrankheit AIDS, ist ein Virus, das außerhalb des menschlichen Körpers nicht lange existieren kann und schnell kaputt geht. Um sich anzustecken, muss das Virus in offene Wunden (die noch bluten!) oder auf bestimmte Schleimhäute (Mundschleimhaut, Darmschleimhaut - Anus!) gelangen; eine intakte Haut bietet in der Regel einen guten Schutz. Heißt für den Safer Sex somit konkret: Keine Ejakulation in den Mund und kein kondomloser Anal-Sex (der Aktive kann sich aufgrund kleiner Wunden auf seiner Penisspitze dabei auch anstecken!). Sperma sollte nicht in die Nähe von Wunden gelangen.
HBV und HCV (Hepatitis-B- bzw. -C-Virus) sind da schon etwas infektiöser. Zum einen sind sie außerhalb des menschlichen Körpers etwas robuster und gehen nicht sofort zugrunde, sondern bleiben über längere Zeit hinweg ansteckend. Zum anderen passieren sie viel leichter die Hautbarriere (das wird aber wohl mit der längeren Infektiösität zusammenhängen). Auch hier gelten dieselben Safer-Sex-Regeln wie bei HIV.
HBV und HCV können die sogenannte Hepatitis (hepar=Leber, -itis=Entzündung; Hepatitis=Leberentzündung) auslösen. Während eine HBV-Infektion nicht zwingend symptomatisch werden muss und häufig akut, jedoch nicht chronisch verläuft, hat das HCV-Virus eine viel größere Neigung zu chronifizieren. Das macht dann auch die Gefährlichkeit des HCV aus. Ein akuter Verlauf schlägt einen zwar für einige Zeit k.o., hinterlässt jedoch selten Spätschäden, was daran liegt, dass die Leber recht gut regenerierungsfähig ist. Eine chronische Hepatitis-Infektion jedoch macht zwar zunächst nur leichte oder gar keine Symptome, über kurz oder lang führt sie jedoch zur (irreversiblen) Leberzirrhose und somit zum Leberuntergang. Wer jemals einen Zirrhotiker gesehen hat, wird es niemandem wünschen. Aus der Zirrhose kann sich übrigens noch oft ein HCC (hepatozelluläres Karzinom), sprich Leberkrebs entwickeln.
Gegen das HB-Virus kann man sich impfen lassen; ein Impfschutz gegen das HC-Virus besteht derzeit (noch) nicht.
Feigwarzen werden auch durch Viren ausgelöst, diese befinden sich jedoch im Gegensatz zu HIV, HBV und HCV nicht in den Körperflüssigkeiten, sondern in den Hautzellen der Warzen selbst (das Virus befällt vornehmlich Zellen der Haut). Der Übertragungsweg ist somit direkter Hautkontakt; befinden sich die Warzen nicht gerade auf dem Penis (was meistens der Fall ist), helfen Kondome gar nicht. Das einzige, was hilft, ist aufzupassen, dass man mit den Warzen des Gegenübers nicht in Kontakt kommt, was bei einem ONS, bei dem man den Partner nicht kennt oder der einem nichts von seinen Warzen erzählt hat, reichlich schwierig sein dürfte. Will man das Risiko einer Feigwarzen-Infektion klein halten, hilft wohl nur die päpstliche Enthaltsamkeit respektive ein feigwarzenfreier Partner (beiderseitige Treue vorausgesetzt).
Herpes-Viren sind recht verbreitet und meistens an den Lippen apparent. Hat man sich mal angesteckt mit diesen Biestern, wird man sie zeitlebens nicht mehr los. Sie schlummern dann in den Nervenzellen und werden bei bestimmten Reizen oder Situationen (körperlicher oder psychischer Stress, Erkältungen, geschwächtes Immunsystem, mechanische Reize wie z.B. beim Knutschen eines Mannes mit Dreitagebart, ...) "geweckt". Kleine, juckende Bläschen bilden sich, die dann auch für andere Menschen, die mit ihnen in Berührung kommen oder die aus dem selben Glas trinken, ansteckend werden. Nach ein bis zwei Wochen verheilen diese Bläschen meistens wieder, bis sie bei nächster Gelegenheit wieder "geweckt" werden. Dumm wird's nur, wenn die Herpes-Viren ins Auge kommen - das kann bis zur Erblindung führen. Leider fühlen sich diese Dinger auch im Genitaltrakt recht wohl, wenn sie dorthin verschleppt werden (man beachte, im Blut lassen sich Herpes-Viren in der Regel nicht nachweisen!). Ich saß erst vorgestern in einer Vorlesung, wo Bilder gezeigt wurden, auf denen Herpesbläschen auf der Peniseichel zu sehen waren. Allein der Anblick tut weh! Seid also vorsichtig, wenn euch jemand einen blasen will, der Herpes-Bläschen auf den Lippen hat. Das Ganze kann am Ende recht unangenehm werden.
Teponema pallidum, die Erreger der Lues (syn. Syphillis), sind Bakterien, die an den Harnwegen und Geschlechtsorganen Eiterbeulen (Abszesse) verursachen können; werden diese nicht konsequent antibiotisch behandelt, können die Keime in die Blutbahn gelangen und eine Sepsis (Blutvergiftung) auslösen, die schnell tödlich enden kann. Wie bei den Feigwarzen-Viren findet auch hier die Übertragung durch Berührungen, das heißt Haut-zu-Haut-Kontakt, statt; Kondome helfen, wenn überhaupt, nur, wenn diese die Abszesse bedecken, das heißt, die Beulen auf der Eichel lokalisiert sind. Übrigens besteht in Deutschland für Ärzte, die Lues-Patienten behandeln, eine Meldepflicht an die Gesundheitsämter (vgl. bei HIV und auch allen anderen von mir erwähnten Erkrankungen besteht keine Meldepflicht). Bakterielle Infektionen, so auch die Lues, lassen sich heutzutage recht gut mit Antibiotika behandeln.
EBV (Epstein-Barr-Virus), der Erreger des Pfeiffer'schen Drüsenfiebers, auch als kissing disease bekannt, ist in allen Körperflüssigkeiten, so auch dem Speichel, in rauhen Mengen enthalten, sodass die meisten Menschen sich schon beim Küssen anstecken (deswegen der Name). In unseren Breiten muss man damit rechnen, dass ca. 90 Prozent der geschlechtsreifen Bevölkerung Virusträger und somit auch infektiös für andere sind. Allerdings kommt es in nur zehn Prozent der Fälle zu einem Ausbruch des sog. Pfeiffer'schen Drüsenfiebers. Bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen bleibt die Infektion asymptomatisch und führt auch zu keinerlei gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Aber selbst wenn die Infektion symptomatisch wird, ist das nicht allzu tragisch. Man ist halt zwei Wochen etwas k.o. und muss das Bett hüten, lebensbedrohlich wird dieses Virus jedoch so gut wie nie, und auch Spät- oder Folgeschäden sind nicht zu erwarten. Da man meistens frisch verliebt ist, übersteht man diese Erkrankung dann doch ganz gut.
Soviel zu Geschlechtskrankheiten. Da hilft dann nur noch das Ganzkörperkondom
Greetz, Gley