Hallo,
Bei uns war die Hochzeit ebenfalls ohne irgendwelche finanziellen Interessen.
Wir kannten uns schon aus der Schulzeit 3Jahre lang, allerdings hatte sie dort die ganze Zeit über einen Freund und wir verstanden uns einfach gut.
Mit einmal nach den Sommerferien war sie nichtmehr bei mir auf der Schule und ihr damaliger Freund sagte mir, dass sie auf eine HöHa gewechselt habe. Die beiden haben sich immer nur sporadisch getroffen, vlt. 2mal im Monat.
Vor den Sommerferien war ich noch auf ihrem geburtstag gewesen (19.) und man merkte, dass es zwischen den beiden nicht mehr so richtig lief.
Wie der Zufall so will war ich kurze Zeit später dabei meine ICQ-Liste von "toten" Kontakten zu säubern und dabei fiel mir auf, dass ich da jemanden drin hatte dessen Nick mir total unbekannt zu sein schien. Kurz in die User-Details geschaut und schon wusste ich, dass es sich um meine ehemalige Schulfreundin handelte.
Ich hab sie angeschrieben und nach einige Zeit stellte sich heraus, dass die beiden sich getrennt hatten. Ich war zu dem Zeitpunkt seit über 1Jahr ziemlich depressiv und hatte seit 2Jahren keine Freundin mehr gehabt. Mir fehlte ein (weiblicher) Kontakt mit dem ich über alles reden konnte.
Nur 3Tage später lud ich sie ein mit mir auf eine Messe in Hannover zu fahren. Sie war sofort einverstanden und so nahm alles langsam seinen lauf. Am nächsten Tag (Montag) fingen die Herbstferien ein und ich war die ganzen Ferien über bei ihr (ihre Eltern waren zu der Zeit in einer Kur). Direkt nach den Ferien beschlossen wir zusammen zu ziehen, was genau einen Tag Planung und Umsetzung erforderte (wir waren also auch nur 1Nacht bisher getrennt gewesen).
Ich zog also bei ihr ein und man lernte sich immer besser kennen. Auch wenn wir es nicht sagten, so war uns beiden klar, dass wir zusammen gehörten.
3 Monate später (nach langer Planung und Vorbereitung) wollte ich ihr dann auch schon einen Antrag machen.
Am Heiligabend war sie bei ihren Eltern und ich bei mir zu Hause, wir unterhielten uns zwischendurch über ICQ. Ich fasste kurzerhand den Plan sie noch am selben Abend (mit einem Teil meine "Weihnachtsgeschenkes") zu überraschen. Ich ließ mir eine Ausrede einfallen, warum ich die nächste Stunde nicht am PC sein konnte.
Schnell ins Auto gesetzt und nach 30min fahrt das Ziel erreicht. Ich hatte zum Glück ihren Haustürschlüssel und konnte so unbemerkt eintreten. Fast unbemerkt zumindest, mit einmal stand ihr Vater vor mir und schaut mich total geschockt an. Ich machte nur ein Zeichen damit er ja nichts sagen und mich verraten würde. Ich ging die Treppe hoch und stand vor ihrer halb geschlossenen Tür.
Ich klopfte zweimal stark an und stand direkt bei ihr im Zimmer. Sie schaute mich etwas verdutzt, aber ansonsten ausdruckslos an. Im ersten Moment dachte ich, dass sie sich scheinbar gar nicht freut mich zu sehen, doch dann stand sie auf und flog förmlich in meine Arme.
Mein Geschenk an diesem Abend war zum einen ein sehr persönliches Gedicht und zum anderen eine kleine Schachtel die in dem Gedicht am Schluss erwähnt wurde. In der Schachtel war dann der erste Teil meines eigentlichen Geschenkes, die Ankündigung, dass wir direkt am nächsten Tag auf ein "Romantik Hotel" fahren würden, das Schloss Petershagen direkt an der Weser. Sie freute sich tierisch und "quiekte" sogar vor freude!
Gegen Mittag am nächsten Tag fuhren wir los. Am Ziel Angekommen bezogen wir unser Doppelzimmer und fingen an die Gegend zu erkunden. Ein ziemlich ruhiges "Örtchen" in dem man zumindeste keine "Party machen" konnte, aber genau das Richtige für uns um einfach die Natur, die Stille und natürlich uns gegenseitig zu genießen.
Am Abend machten wir uns dann auf um geeignetes Restaurant für uns zu finden. Deutsch, Grieschich und Italienisch sagten uns nicht so zu, aber nach kurzer Zeit fanden wir auch einen Chinesen (seither unsere 1. Wahl).
Nach einem 4-Gänge Menü und einigen Gläsern Raki und anderen Spirituosen beschlossen wir dann wieder zurück aufs Schloss zu gehen.
So recht wusste ich nicht, wo ich ihr den Antrag machen sollte. Beim Essen? Im Schlosshof? Als wir dann schon fast vor unserer Zimmertür standen (das Zimmer war ein kleines Häuschen im Freien, direkt auf der Schlossmauer) fasste ich allen meinen Mut zusammen und bat sie sich auf die Mauer zu setzen. Ich setzte mich neben sie, nahm ihre Hand und schaute in ihre Augen.
Ich hatte mir keine "Rede" zurechtgelegt und zögerte erst kurz bevor ich einen passenden Anfang fand. Nach vlt. 15Sekunden konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen und fragte sie mit leicht zitternder Stimme: "Willst du meine Frau werden?". Sie schaute fragend und hocherfreut zugleich an. Nach einer kurzen Atempause fiel sie mir in die Arme und sagte "JA!" Sie drückte mich so fest, dass ich fast keine Luft mehr bekam. Als sie mich wieder losließ schaute sie mich nocheinmal kurz an und wir küssten uns, doch halt...ich hatte was vergessen! der Ring!
Ich holte den Ring aus der Tasche und steckte ihn an ihren Finger. Er war ist aus 585er Weißgold mit einem kleinen Diamanten.
Für mich war das der schönste Tag in meinem leben, sogar schöner als die, 1Jahr später folgende, standesamtliche Trauung.
Falls sich jemand von euch die Mühe gemacht haben sollte, dass alles hier durch zu lesen, dass war mein Beitrag zum Thema "Stellenwert der Institution Ehe". Den Antrag habe ich ihr 2002 gemacht, die Hochzeit war am 24.10.2003. Wir werden beide dieses Jahr erst 22Jahre alt und für viele mögen wir sehr (zu?) jung zum Heiraten sein. Aus unserer Sicht passen wir einfach zusammen und sehen keinen Grund, warum wir mit dem Heiraten noch hätten warten sollen. Es hat für uns den Symbolcharakter der Zusammengehörigkeit, egal was im Leben auf uns zukommt.
ciao,
Marcel