|
Alle Jahre wieder… Die Erotikmesse VENUS öffnete in Berlin auch vom
20.- 23. Oktober 2005 wieder ihre Pforten und lockte Besucher von nah
und fern, um unzählige erotische Leckerbissen zu präsentieren. Auch
wir, vom Lovetoytester-Team, waren gespannt und trafen am
Freitagnachmittag aus mehreren Bundesländern auf dem Messegelände
zusammen. Nach unserem obligatorischen Schwätzchen stützten wir uns
gespannt in die Menschenflut…
Um uns den Bezahlstress zu sparen, kauften wir wohlweislich die Karten
zuvor im Internet - Was sich schnell als Trugschluss erwies!
Enttäuschung machte sich bei der Abholung breit, als wir eine Karte
stornieren wollten, da eine Testerin mit einem verdrehten Knie zu Hause
bleiben musste. Die Dame am Schalter teilte uns mit, dass es nicht
möglich sei, die 35,- EUR für den Professional-Zugang zurück zu
erstatten. Wir fühlten uns abgezockt und fanden es sehr unfair. Dies
zeugt nicht von Seriosität!
Rein ins Getümmel… Wir trotzen dem menschlichen Rechts-Drall und schoben uns dieses Mal zunächst in die linke Halle 18.
Sie war recht übersichtlich und wir fanden dort einige Porno-Labels,
Dessous-Stände und zwei Glasdildo-Manufakturen (Phallix und BTC). Kurz
vor dem Ausgang präsentierte sich der Reizstromgeräte-Hersteller der
myStim-Geräte (ehemals m-like) und wir hielten ein kurzes Schwätzchen.
Die neue Elektrosex-Produktlinie und ein neuartiger
Reizstrom-Kugeldildo gefielen uns sehr.
Die Halle 20 (vom Eingang rechts) schien ganz auf die
männliche Kundschaft (Jäger und Sammler) ausgerichtet zu sein. Auf
Duzenden Bildschirmen und Fernsehern flimmerten Pornos, soweit das Auge
reicht. Und immer wider stolperten wir über Bühnen mit Live-Sex und
Lesben-Shows zum „selber Filmen“ - dicht umringt von
gedankenverlorenen, sabbernden Männerscharen, die mit ihren DigiCams
und Camcordern bewaffnet, die posierenden Models belagerten. „Besonders
appetitlich“, empfanden wir die hochgerissenen, herumfuchtelnden Arme,
mit großen Schweißflecken unter den Achseln...
Wie jedes Jahr wunderten wir uns, warum es so ein großer Konzern, wie ORION nötig hat, sich mal wieder
"nur für Fachhändler" mit einem hohen Zaun abzuschotten. Der bewachte
Eingang gleicht dem Zoll eines Flughafenterminals. Es fehlt nur noch,
dass man mit den Händen an der Wand nach Dildos abgetastet wird. ;-)
Dabei ist es doch gerade der Endverbraucher, der die Artikel konsumiert
und zuvor prüfend in die Hand nehmen möchte! Es scheint so, als wolle
ORION gerade dies nicht.
Überraschenderweise hat sich JOYDIVISION dieses Mal nicht eingesperrt.
Aber die angebotenen Produkte waren recht spartanisch angeordnet und
eher weniger interessant. Die Vertreterin schaute stets etwas
gelangweilt drein. Wir erfuhren vor der Messe, dass auch JOYDIVISION
Vibratoren im FunFactory-Style produziert. Aber davon war nichts zu
sehen.
Als wir uns am Stand mit den obligatorischen Massagekäfern
vorbeischoben, wurden wir von zwei Damen überfallen, die uns ohne
Einverständnis mit den Käfern den Rücken schrubben wollten. Das
Schlimme daran ist, dass ein der Frauen einer Lovetoy-Testerin, die
einen Herzschrittmacher trägt, blitzschnell ein Massegerät, das mit
elektrische Impulsen aussendet, an den Hals drückte. Das hätte auch ins
Auge gehen können! Kann man nicht vorher einmal fragen, ob man angefasst werden möchte?!
FunFactory präsentierte sich auf einer noch größeren
Ausstellungsfläche, als in den letzten Jahren. Wir fanden den Stand
dieses Jahr eher schmucklos, recht kalt und unpersönlich. Auch das
Personal, welches die letzten Jahre auch dabei war, inspirierte nicht
für einen Plausch. Ein paar fesche Blondinen würden den Absatz sicher
etwas mehr ankurbeln.
Natürlich mussten wir die Vibratoren der neuen FunFactory-Mini-Serie in
die Hand nehmen. Wir waren allesamt eher von der Vibration enttäuscht.
Die anderen Produkte haben wir ja schon ausgiebig für Euch getestet.
Big Teaze Toys, der Hersteller der I rub my Duckie hatte
ebenfalls wieder seinen Stand und wir prüften gemeinsam, ob unser
negatives Testurteil stimmt. Wir waren alle einer Meinung dass die die
Toys hübscher aussehen, als sie wirken. Der Hersteller hat einen neuen
Pinguin herausgebracht, der sogar am Schwächsten vibriert. Auch
bekannte Lovetoys wie Waterwoman und Miss Softie waren vertreten.
Weiter ging es in Halle 21. Diese wurde in den
öffentlichen und Professional-Bereich aufgeteilt. Im öffentlichen Teil
(Halle 21a) riss uns gar nichts vom Hocker. Lediglich der Stand von Dr.
Joel Kaplan war ein Hingucker. Bekannte Erotikartikel, wie PVIBE waren
vertreten. Und wie immer: Videos- Videos- Videos… Am Ende der Halle
waren wir überrascht, dass die Bühne weg ist. Diese wurde nun
Clevererweise in den Speisesaal (Palais)
der
Messe verlegt Was jedoch dazu führte, dass man nun auch im Palais gar
keine Sitzgelegenheiten mehr hat. Es scheint dem Veranstalter wichtiger
zu sein, die Standgebühren bis zum letzten Platz einzutreiben, als den
Kunden einen Raum für Rast und Ruhe zu gönnen. Auch im Palais rumpelte
und schepperte es an der Bühne ebenfalls gewaltig und um sie herum
wurde ebenfalls viel (unsinniger) Erotik-Trödel verkauft. Vor allem im
"streng geheimen" Messepaket steckte garantiert nur "erotischer"
Asien-Billigmüll.
Interessant fanden wir eher Halle 21b - dem Fachhandelsbereich. So stellen wir uns eine ordentliche Erotikartikelmesse vor! Produkte zum anfassen, testen, riechen und fachsimpeln… und vor Allem: Ruhe!
Man fand neben einigen deutschen Großhändlern und Porno-Schmieden auch
viele ausländische Hersteller. Deshalb wird in diesen Bereichen ein Hut
voll Englischkenntnisse vorausgesetzt. Sprachbarrieren werden jedoch
freundlich und problemlos überwunden.
Wir staunten nicht schlecht, in dieser Halle einen zweiten
JOYDIVISION-Stand vorzufinden und dort fanden wir auch die
angekündigten Vibratoren. In drei Formen wurden die neuen Vibratoren
präsentiert und wir konnten uns ein Naserümpfen nicht verkneifen. An
dieser Stelle war FunFactory schon vor Jahren! In dem Silikonkörper
steckte eine 0815-Steuerung, mit dem allerseits bekannten roten Deckel.
Außerdem gab es neben einigen innovativen Produkten eine interessante Sexmaschine eines spanischen Herstellers.
Noch eine Professional-Halle weiter, in der 22b, ging es
noch ruhiger zu und wir drückten uns die Nasen an den Artikeln der
Großhändler Scala, Distra und Mantric platt. Auch die Rimba-Produkte
schauten wir uns an und beschlossen ein paar Produkte vermehrt zu
testen. Die Toys von Natural Contours weckten schon letztes Jahr unser
Interesse und wir riefen uns die Eigenschaften in Erinnerung.
Was uns auffiel: Wo war eigentlich die Security?
In nur einer Halle fanden wir zwei Wachmänner, die jedoch weniger
aufmerksam, dafür aber umso tiefer im Gespräch vertieft waren und locker-lässig-cool
mit den Händen in den Taschen herumstanden. Uns wurde zugetragen, dass
auf der Messe vermehrt Besucherinnen begrapscht wurden (die nicht aufreizend
gekleidet waren). Eine Ausstellerin sei am Sonntag von 5 Männern vor
der Damentoilette umringt, festgehalten, begrapscht und offensiv
sexuell belästigt worden. Auch sie war nicht freizügig
angezogen! Eine Beschwerde bei der Messeleitung habe nichts gebracht.
Es wurde gelacht und wörtlich gesagt: „Die Mädels sind doch selber
schuld – Warum ziehen sie sich so an!“ Doch wozu gibt es die Security?!? Gerade auf einer Erotikmesse sollte für mehr Sicherheit gesorgt werden!
Mit brummenden Schädel und schmerzhaftem Rücken traten wir den Rückzug
an und rollten die Hallen nochmals rückwärts auf. Alles in allem hat
sich der Besuch gelohnt.
Resümee:
Auch wenn wir, das Tester-Team, nicht allzu viele Produktneuerungen
entdeckten konnten, war die Messe doch recht ok. Man darf sie schon im
Vorfeld nicht an das Niveau klassischer Messen vergleichen. Lustig
fanden wir, dass neben der VENUS eine Orthopädiemesse statt fand. So
stand Berlin für ein paar Tage ganz im Zeichen der „Heil- und
Hilfsmittel“.
Zumindest am Freitag fiel uns auf, dass sich das Niveau der Messe etwas
verbessert hat. Es war sauberer, nicht gar so überfüllt und es herrscht
eine buntere Auswahl an Ständen. Auch das Rumgefummel an den Models
schien dieses Jahr nicht so offensiv. Man konnte relativ entspannt
durch die Gänge schlendern. Aber dennoch hatte die Messe wieder den üblichen „Wer hat den
längsten Kamera-Arm“ und „Video-Grabbeltisch“-Charakter. Aber wer auf
Sexvideos steht, wird hier sicher fündig. Denn über die Hälfte aller
Stände waren Porno-Stände. Herstellertechnich hat sich im
Vergleich zu den Vorjahren wenig getan. Auch besonders ausgefallene
Dildos, Vibratoren und andere Sextoys fanden wir nicht. Meistens
handelte es sich um asiatische Billigartikel. Warum sich (gerade!) der
Erotikriese ORION immer einsperrt, verstanden wir auch auf dieser Messe
nicht. Auffallend sind auch die vielen Glasdildo-Hersteller. Dabei sind
die Dinger in der Praxis gar nicht soooo toll – sie sind eher etwas zum
Ins-Regal-stellen.
Wir würden uns für die Zukunft etwas mehr Rastplätze mit
Sitzmöglichkeiten wünschen, da man sonst allzu-schnell dem
„Messe-Flash“ erliegt. Toll wäre auch, wenn in den Hallen 18 und 19
nicht alle Bassboxen gleichzeitig so laut röhren würden. Eine etwas
geringe Lautstärke würde auch völlig ausreichen.
Wer stundenlange Anreisezeiten in Kauf nimmt, um ein DVD- oder
Sextoy-Schnäppchen zu erstehen, kann diese lieber im Internet
ergattern. Leute die in und um Berlin unterwegs sind, sollten sich das
Spektakel nicht entgehen lassen.
Wir sagen „Auf wieder sehen und bis zum nächsten Jahr!“
Euer Lovetoytest-Redaktionsteam
Hier gibt es den Bericht zur 8. VENUS Eroticmesse 2004 >>>
Hier gibt es den Bericht zur 7. VENUS Eroticmesse 2003 >>>
Hier noch weitere realistische Berichte über Erotikmessen:
Das-erotische-sekretariat.de
Ciao.de
Stern.de: Impressionen von der "Venus 2005"
Heise
Diskussionen über Erotikmessen finden in unserem Forum statt >>>

|