Also quasi eine kurze Nachbesprechung und vielleicht eine gute Motivation für das nächste Jahr:
Die dritte xplore war wieder äußerst interessant und hat einfach rundum Spaß gemacht.
Für`s nächste Mal würde ich gerne lovetoytest vertreten sehn

Das würde sehr gut passen.
Die xplore wird von Menschen gemacht, die in einem vorurteilsfreien Raum, Wissen und Praxis um erwachsene Sexualität vermitteln wollen und das, was dann vor Ort zwischen den TeilnehmerInnen entsteht als einen stetigen Prozess begreifen.
Ich war leider nur in sehr wenigen Workshops, aber jeder war an sich sehr interessant und spannend. Mir gefällt es, dass da nicht hochwohlgeborene DozentInnen die Unwissenden an ihren Forschungen teilhaben lassen und dann wieder nach ein wenig Starkult abrauschen. Insgesamt ist das eine freundliche Veranstaltung in einem sehr angenehmen Rahmen.
Die Location ist ein mehrstöckiger Hinterhausclub in Kreuzberg. Die verschiedenen Dancefloors sind dann die Räume für die Workshops. Ist schon immens cool, dass so viel Platz wie in einem Tanzstudio ist. Das bricht diese langweilige Lehrer-Schüler-Dynamik auf und macht einfach Spaß.
Ich war zum Beispiel in einem Workshop zu Rough Play - "Überwältigungsspiele". Ein Paar, beide (wenn ich das richtig verstanden habe) auch Kampfsportler, haben Tipps zu Rangeleien gegeben, wie man sich nicht verletzt, wenn's ruppig wird. Danach 50 Paare beim sich wuppen zuzuschauen, war schon spektakulär. Interessant war zu beobachten, dass die Männer sich kaum getraut haben, die Frauen etwas fester anzupacken, die Frauen immer gerne getreten und gezwickt haben, bis dann ein richtiges Kämpfchen zustande kam. Das hatte an sich noch nichts Sexuelles. Mich hat es beeindruckt zu sehen, wie weit wir uns als Erwachsene von unserem kindlichen Spieltrieb körperlich entfernen und wie sehr Spontanität und Spaß an Rangeleien blockiert werden. Die TeilnehmerInnen waren hinterher alle mehr als gut gelaunt. Einige hatten zwar ein paar blaue Flecken, aber vor allem die Männer schienen allesamt glückliche erwachsene Jungs, die sich darüber freuten, dass ihre körperliche Stärke einfach willkommen war. Und die Frauen wirkten ziemlich entstresst und auch mit ihrer eigenen körperlichen Stärke wesentlich vertrauter. Vonwegen Geschlechterkampf!
Der Fisting-workshop war vor allem deswegen bemerkenswert, weil das weibliche Übungsobjekt zum Schluß mal ordentlich ejakulierte. Die Technikvermittlung trat hinter diesem Ereignis ein bißchen zurück.
Der "bastonade"-Workshop war auch spannend. Delta und Caprice haben eine Stunde lang Fußfolter erklärt und demonstriert.
Nicht alle Workshops sind interaktiv. Nackich rumrennen muß da niemand, und über die eigene Schamgrenze gehen schon gar nicht. Insgesamt schien es mir eher, dass eben weil sich alle schon mit persönlichen Grenzen beschäftigt hatten, die Stimmung niemals übersexualisiert war. Alle waren ziemlich entspannt, niemand wurde übergriffig. Außerdem tragen auch die Pausen und die großartige Verpflegung durch die beiden Bars und das Catering dazu bei, dass alle, die wollen, auch mit anderen ins Gespräch kommen können.
Das wirklich schöne an der ganzen Veranstaltung ist meiner Meinung nach:
1) Es ist absolut egal, ob man hetero/homo/bi7wasauchimmer ist
2) aus welcher Fraktion "Tantra", "BDSM", "Vanilla" man kommt
3) welchen Erfahrungsstand man mitbringt
4) Starallüren alle langweilen
5) Es kein künstlich aufgebautes Machtgefälle zwischen DozentInnen und TeilnehmerInnen gibt - zum Beispiel durch Backstageräume oder ähnliches
6) Die Location einfach großartig gewählt ist
7) Trotz des professionellen Rahmens noch sehr viel Platz für Spontanität bleibt

Das, was entsteht, ist das, was ist
9) Dumpfbacken sich da gar nicht wohlfühlen
10) Es läuft zwar nicht immer alles rund in der Organisation, aber alle fühlen sich verantwortlich mit anzupacken
11) es geht nie um höher, schneller, tiefer, besser, toller, cooler